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Von der Photographie zur Plastik (aus KOMPASS 5/06)
Sommerzeit ist Reisezeit, aber nicht unbedingt um Städte zu besuchen. Somit sind auch in Dresden in den Sommermonaten weniger Städtetouristen zu sehen. Das ist aber kein Grund, als Dresdner einmal selbst Tourist zu „spielen“ und sich einige interessante Ausstellungen anzuschauen. Schließlich gibt es immer wieder Neues zu entdecken und gerade als Rollstuhlfahrer werden viele Museen erst nach ihrer Sanierung barrierefrei nutzbar.
Mit dem Rollstuhl unterwegs benutzten wir, um zum Schloss zu gelangen, die öffentlichen Verkehrsmittel – eine Niederflurstraßenbahn. Als Ziel ist die neue Haltestelle am Postplatz auf der Wilsdruffer Straße gut geeignet. Beim Aussteigen hatten wir jedoch den Eindruck, dass die Schwelle zwischen Bahnsteig und Wagenebene mehr als die geforderten 5 cm beträgt.
Bevor wir das Schloss ansteuerten, unternahmen wir einen kurzen Abstecher in den Zwinger. Als wir ihn über den Glockenspielpavillion verlassen wollten, entdeckten wir dort einen Aufzug zur Porzellansammlung. Ein dazugehöriges Hinweisschild zum Aufzug weist den Weg jedoch genau in die entgegengesetzte Richtung – etwas irreführend. Diese Ausstellung stand aber heute nicht auf unserem Plan und somit ging es weiter zum Dresdner Residenzschloss. Der Weg dorthin ist mit dem groben Kopfsteinpflaster als Rollstuhlfahrer und sicher für viele andere eher beschwerlich.
Das Schloss beinhaltet mehrere Museen (Kupferstich-Kabinett, Münzkabinett, Neues Grünes Gewölbe) und Sonderausstellungen. Ab Herbst ist dann auch das historische Grüne Gewölbe geöffnet. Doch wir wollten in die Sonderausstellung „Mensch! Photographien aus Dresdner Sammlungen“. Barrierefrei zu erreichen ist das Gebäude über eine lang gezogene Schräge und die einzelnen Etagen über einen Glasfahrstuhl. Im Untergeschoss befindet sich die Behindertentoilette, welche allerdings von einer DIN-gerechten Gestaltung für barrierefreies Bauen weit entfernt ist. So fehlt z. B. ein Haltegriff am Toilettenbecken und die Unterfahrbarkeit des Waschbeckens ist durch einen Durchlauferhitzer eingeschränkt. Die Eingangstür zum Toilettenbereich ist zudem sehr schwergängig und ohne Hilfe kaum zu bewältigen. Aber im Großen und Ganzen hinterlassen das Schloss und die Ausstellung einen guten Eindruck.
Nun wollten wir unbedingt noch in die Ausstellung „Vor 100 Jahren. Rodin in Deutschland“, die im Lipsius-Bau zu sehen ist. Bis dorthin gab es aber wieder Pflastersteine, Pflastersteine, Pflastersteine … zu be-, über- und umfahren. Auf diesem Holperpflaster wünschten wir uns sehr, dass die entsprechenden Städteplaner, Architekten und Denkmalschützer einen ganzen Tag im Rollstuhl sitzend diese Pflasterstrecken ununterbrochen befahren müssen. Wahrscheinlich würden sie niemals wieder so eine angeblich historische Bepflasterung anordnen. In anderen Städten gibt es bereits gute Beispiele, bei denen an solchen Stellen zusätzlich Plattenwege verlegt wurden, die gut begeh- und berollbar sind.
Aber zurück zu Rodin im Lipsius-Bau. Wobei wir auch hier weniger über die Ausstellung, sondern mehr über das Gebäude selbst berichten möchten. Der Lipsius-Bau – auch „Zitronenpresse“ genannt - befindet sich zwischen Frauenkirche und Brühl-scher Terrasse. Neben der Kunstakademie beherbergte er ein Ausstellungsgebäude. Der Haupteingang befindet sich auf der Brühlschen Terrasse, ist aber nur über einige Stufen zugängig. Deshalb wurde für Rollstuhlfahrer ein zusätzlicher Eingang neben der Treppe zur Brühlschen Terrasse am Georg-Treu-Platz geschaffen. Über eine Klingel kann man sich bemerkbar machen und wird herein gelassen. Wir hatten uns vorsichtshalber telefonisch (Tel.: 49 14 2000) angemeldet, damit auch nichts schief geht. Nach dem Einlass befindet man sich auf der unteren Ebene, in der auch Garderoben, Schließfächer und Toiletten sind. Eine geeignete Behindertentoilette ist ebenfalls vorhanden, wobei der Schlüssel dafür beim Personal zu holen ist.
Seit der abgeschlossenen Sanierung im Herbst 2005 kann man sich im Gebäude selbst ohne Hilfe frei bewegen. Mittels Fahrstühlen erreicht man die einzelnen Ebenen. Das Ausstellungsgebäude ist sehr eindrucksvoll und macht Lust auf weitere Besuche.
Auguste Rodins Plastiken begeisterten uns besonders wegen seiner detailtreuen und charakteristischen Aussagen. Eines seiner Hauptwerke „Der Denker“ füllte mit gewaltiger Präsenz diese Ausstellung.
Bereichert von den vielen Eindrücken des Tages begaben wir uns nach Museumsschluss auf den Heimweg.
jum
Tipp
- Im Internet unter www.skd-dresden.de erfährt man mehr zu den einzelnen Museen und Ausstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
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